PLA, PETG, ABS oder TPU? Filamente im Vergleich

Filament & MaterialStand: 18. Oktober 20268 Min. Lesezeit
Drei Filamentspulen in Orange, Weiß und Blau

Das Filament entscheidet mindestens so sehr über dein Ergebnis wie der Drucker selbst. Die gute Nachricht: Für den Anfang brauchst du nur ein oder zwei Materialien. Hier erfährst du, welches wofür taugt – und welche Einstellungen als Startpunkt dienen.

Überblick in einer Tabelle

Die Werte sind Richtwerte als Startpunkt. Maßgeblich sind immer die Angaben auf deiner Filamentrolle – sie unterscheiden sich je nach Hersteller.

MaterialDüseDruckbettSchwierigkeitTypisch für
PLAca. 190–220 °Cca. 50–60 °Csehr leichtDeko, Prototypen, Organizer
PETGca. 230–250 °Cca. 70–80 °CleichtFunktionsteile, Halterungen
ABS / ASAca. 240–260 °Cca. 90–100 °Cmittel bis schwerhitzebelastete Teile, Außenbereich
TPUca. 210–230 °Cca. 40–50 °CmittelDämpfer, Hüllen, Dichtungen

PLA – der Allrounder

PLA ist das Standardmaterial im Hobbybereich und basiert teilweise auf nachwachsenden Rohstoffen. Es verzieht sich kaum, druckt auf fast jeder Druckplatte und gibt es in unzähligen Farben und Effekten (Seide, Matt, Marmor).

Stärken: extrem einfach zu drucken, präzise Details, günstig.
Schwächen: wird schon bei rund 55–60 °C weich – also nichts fürs Auto im Sommer; spröder als PETG.

Tipp: Bauteillüfter voll aufdrehen. PLA liebt Kühlung.

PETG – robust und alltagstauglich

PETG liegt zwischen PLA und ABS: fast so leicht zu drucken wie PLA, aber deutlich zäher und bis etwa 70 °C formstabil. Damit ist es die erste Wahl für Teile, die etwas aushalten müssen – Wandhalterungen, Clips, Gehäuse.

Stärken: zäh statt spröde, wetterbeständiger als PLA, kaum Verzug.
Schwächen: neigt zu Fäden („Stringing“), haftet auf glatten PEI-Platten manchmal zu gut.

Achtung: Auf glatten PEI-Platten kann PETG beim Ablösen die Beschichtung beschädigen. Nutze eine texturierte Platte oder etwas Klebestift als Trennschicht.

ABS und ASA – für Hitze und Außenbereich

ABS und das verwandte ASA halten Temperaturen von etwa 85–95 °C aus. ASA ist zusätzlich UV-beständig und damit das Material für Teile, die dauerhaft draußen sind.

Beide schrumpfen beim Abkühlen stärker, die Ecken heben sich leicht vom Bett ab („Warping“). Ein geschlossener Drucker ist praktisch Pflicht, und weil beim Drucken Dämpfe entstehen, gehört gute Belüftung dazu.

TPU – wenn es flexibel sein muss

TPU ist gummiartig und elastisch: perfekt für Handyhüllen, Stoßdämpfer, Füße für Geräte oder Dichtungen. Es wird langsam gedruckt, und Drucker mit Direktextruder (Antrieb direkt an der Düse) kommen damit deutlich besser zurecht.

Wichtig: TPU zieht besonders stark Feuchtigkeit. Feuchtes TPU blubbert und zieht Fäden – vorher trocknen lohnt sich.

Lagerung: Feuchtigkeit ist der Feind

Fast alle Filamente nehmen Wasser aus der Luft auf. Die Folge: Knistern an der Düse, raue Oberflächen, mehr Fäden. So beugst du vor:

  • Angebrochene Rollen in einer luftdichten Box mit Trockenmittel lagern.
  • Bei Problemen das Filament in einem Filamenttrockner trocknen – das ist oft der schnellste Fix für „plötzlich schlechte“ Drucke.
  • Filamentende immer im Loch der Spule fixieren, sonst wickelt es sich ab und verknotet.

Eine passende Trockenbox findest du in unserem Zubehör-Ratgeber.

Häufige Fragen

Welches Filament sollte ich als Anfänger kaufen?

PLA. Es ist am einfachsten zu drucken und verzeiht Einstellungsfehler. Wenn du danach robustere Teile brauchst, ist PETG der nächste Schritt.

Welche Filament-Dicke brauche ich?

Fast alle aktuellen Hobbydrucker nutzen 1,75 mm. Prüfe es im Datenblatt deines Druckers, bevor du bestellst.

Ist PLA lebensmittelecht?

Das Rohmaterial teils ja, ein gedrucktes Teil aber nicht automatisch: In den Rillen zwischen den Schichten können sich Bakterien halten. Für Lebensmittelkontakt solltest du gedruckte Teile nicht verwenden.

Warum klebt mein PETG zu stark am Druckbett?

PETG verbindet sich stark mit glatten PEI-Oberflächen. Eine texturierte Platte oder eine dünne Schicht Klebestift als Trennmittel löst das Problem.

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